SPIEL DOCH!

Ich mag Zeitschriften. Obwohl der überwiegende Teil von Informationen mittlerweile online zu finden ist, finde ich es toll, wenn man mal etwas liest, was auch schon mal runterfallen kann. Oder gequetscht werden kann. Oder nicht irgendwann an den Strom muss.

Seit dem 6. Oktober gibt es die SPIEL DOCH! im Handel. Man muss ein bisschen suchen, wird aber spätestens an einem Bahnhof fündig. Gut, wenn man kurz drauf im Zug sitzt und Zeit hat, die Geschichten in sich aufzunehmen.

Ein Magazin für Spieler

„Ganz schön mutig!“ war mein erster Gedanke. In der heutigen Zeit ein Offline-Magazin und auch noch über Brettspiele? Nicht, dass nicht genug Leser da wären, die Brettspiel-Branche boomt seit Jahren. Aber liest man da Magazine im Zeitalter von Tabletop und Hunter & Cron? Wo Podcasts und Video-Rezensionen zum guten Ton gehören? Brettspiele und selbstgemachte Videos sind eine verdammt gute Kombination.

„Ja, man liest!“, dachte sich das namhafte Autorenteam um Udo Bartsch, und werkelte ein 60-seitiges Blatt zusammen. Zwischen Geschichten, Rezensionen und Kuriosem findet man kurzweilige Unterhaltung. Besonders der Bericht über das Spiele-Café in Toronto und die Aufarbeitung des Spiel-des-Jahres-Zirkus haben mir gefallen.

Irgendwie blieb jedoch ein fader Geschmack zurück: Für Spielefreaks (selbst für einen Teilzeit-Spieler wie mich) war zu wenig Interessantes dabei. Im Gegensatz dazu dürften Spiele-Anfänger wohl kaum auf die Zeitschrift aufmerksam werden, findet sich doch im Handel noch nicht mal die richtige Rubrik dafür – bei mir stand sie bei den Computerspielen. Aber diese Art Feedback wird sich ohnehin bei der Redaktion einfinden und sie werden mit Sicherheit darauf eingehen.

Vor der Spiel und nach Weihnachten?

Das Erscheinungsdatum hatte mich am meisten überrascht: Kurz vor der bevorstehenden Spiel ’15 ging das Ding in den Vertrieb. Aber gut, sowas kann man manchmal nicht anders planen und ich denke auch, das Team wollte auch endlich mal an die Öffentlichkeit. Da sie sich jetzt hoffentlich voll auf die Messe konzentrieren konnten, bin ich gespannt, was Ausgabe 2 bringen wird. Die wiederum erscheint erst im März, wenn Weihnachtsgeschäft und Nürnberg längst vorüber sind.

Wenn ich meine eigene Erfahrung befrage, entstehen die meisten Spieler über einen Freundes- und Bekanntenkreis. Und da sage ich selten zu einem neuen Bekannten: „Hol‘ Dir doch mal die SPIEL DOCH! am Bahnhof.“ Nein, da wird schnell ein Zug um Zug aus den Schrank gezogen oder ein Carcassone. Und meistens ist es dann schon passiert: Ein Spieler wurde geboren. Ob der dann eine Zeitschrift kaufen geht?

„Naja, das sind meine 2 Geld“, könnte man sagen. Die Jungs werden schon wissen, was sie tun. Ich wünsche viel Erfolg! Die Branche hat eine solche Zeitung definitiv verdient und was ich gesehen habe, hat mir gefallen. Ich bleibe jedenfalls Leser, und wenn es nur zur Unterstützung ist.